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KUNSTRAUSCH®IV
»Chaos im Kopf«


Zur Präsentation der Projekte von am 12.10.2006 im Trockendock

Film ab: Tief in Gedanken versunken läuft eine Künstlerin in ihrem Atelier hin und her, ihre Überlegungen klingen im Raum nach: »…Kunst und Drogen … Drogen und Kunst …Rausch … Weltenrausch … Rauschwelten — Kunst und Rausch — Kunstrausch! Kick…Drogenkick…Kunst…Kunst ist der bessere Kick!« (Trailer)

So beginnt die Präsentation der Werke Jugendlicher, die im KUNSTRAUSCH®-Festival entstanden sind — einem Kooperationsprojekt, das die Kreativität der jungen Menschen in eine produktive Bahn lenken und eine bessere Alternative zum Alkohol- und Drogenkonsum sein möchte.

KUNSTRAUSCH® fördert den Austausch zwischen Jugendlichen aus Schulen, verschiedenen Einrichtungen der offenen Jugendarbeit und der Suchttherapie. Jedes zweite Jahr findet KUNSTRAUSCH® unter einem neuen Motto statt. Diesmal heißt es »Chaos im Kopf« und hat auf unterschiedliche Weise wunderbare Ergebnisse hervorgebracht, die im brechend vollen Saal des Jugendmusikzentrums Trockendock präsentiert wurden:

Es stehen Videos, Präsentationen, Live-Akts, Theateraufführungen sowie eine Ausstellung von Bildern und Skulpturen auf dem Programm der Veranstaltung. Die jungen Künstler sind bemerkbar aufgeregt, die meisten machen zum ersten Mal bei so einem großen Projekt mit.

Alkohol und Drogen spielen eine wichtige Rolle als Auslöser oder Katalysator vom Chaos im Kopf, sind aber nicht in allen Projekten das Thema; manchmal sind es Gefühle, manchmal die Umgebung und andere Menschen, ab und zu ist es das pubertäre Alter, das für chaotische Zustände verantwortlich ist.

Begrüßt wird das junge Publikum durch zwei Ehrengäste: Dieter Adamski, Vorsitzender der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen und Herrn Rosenboom von der Behörde für Bildung und Sport in Vertretung der Schirmherrin Senatorin Dinges-Dierig. Die beiden »seriösen« Herren reden aufrichtig und »locker«, was von den Zuhörern sehr gut angenommen wird. Herr Rosenboom ist von den Ausstellungsbildern so begeistert, dass er den Schülern ein Angebot macht, diese Bilder zu kaufen, um sie in anderen Schulen dann auszustellen.

Die Ausstellung hat buchstäblich mit »Chaos im Kopf« zu tun — die Schüler der Luruper Hauptsstraße-Schule haben Selbstportraits gemalt und die Leinwände mit verschiedenen Mustern gefüllt, die Chaos in seinen verschiedenen Formen darstellen.

Die Skulpturen der Jugendlichen aus der Einrichtung »Do it!« dagegen beschäftigten sich symbolisch mit dem Ausdruck von Chaos — so sieht eine reisengroße Handgranate bedrohlich und beeindruckend aus.

Zum Auftakt der Veranstaltung werden die Zuschauer von einer etwas ungewöhnlichen Vorführung überrascht. Jugendliche aus der Therapieeinrichtung COME IN! hatten Bilder zum Thema »Chaos im Kopf« gezeichnet und diese durch kurze Texte ergänzt. Daraus entstand eine große Multimedia-Präsentation, die sie mit Live-Musik am Klavier aus dem bekannten Film »Die fabelhafte Welt der Amelie« untermalt präsentieren. Die Bilder und Texte sind sehr persönlich und tragen durchaus auch viel Schmerz in sich.
Die Videoproduktionen, die einen wesentlichen Teil der Veranstaltung einnehmen, sind bei durchaus unterschiedlicher Länge und verschiedenem Charakter scheinbar nur über das Leitmotiv »Chaos im Kopf« miteinander verbunden: Was ist Chaos? Wie entsteht Chaos? Wie verhalte ich mich, wenn ich Chaos im Kopf habe, und was sind die Konsequenzen?

So zeigen zum Beispiel Schüler der Schule in der Luruper Hauptstraße in ihrem Musikvideo »Broken Love«, was die Auslöser von Chaos sein können und wie das Verlangen nach etwas Neuem die erste Liebe zerstört. Dem Chaos im Stadtteil verdankt das Video vom Jugendcafe Altona-Nord seine Expressivität und seine aggressive Energie.

»Ist die Jugend von heute noch zu retten?« — fragt eine junge Moderatorin in den Nachrichten der Rudolf-Ross-Schule Passanten vor dem Einkaufszentrum Mercado. So machen sich Jugendliche auch Gedanken, was aus ihrer Generation wird, sie fragen sich, was sie sind und ob das Chaos in ihren Köpfen zu beseitigen ist.

Zum Ende der Veranstaltung im Trockendock wird der Film »Getraut« des Jugendmusikzentrums Trockendock gezeigt. In drei Tanzsequenzen werden Gefühle dargestellt, die das Chaos im Kopf hervorrufen: Frust, Trauer, Angst. Der Film bietet aber einen möglichen Ausweg aus dem Gefühls-Wirrwarr an — Kreativität in Form von Tanz, der befreit und helfen kann, Zugehörigkeit zu erfahren. Im Video wird — zufälligerweise - dieselbe gefühlvolle Musik verwendet, die die Zuschauer bereits während der Präsentation des »COME IN!« hörten. Diese Musik bildet einen schönen Rahmen für die KUNSTRAUSCH® - Veranstaltung. Sie ist zwar traurig, trägt aber Hoffnung in sich, denn im Wahrnehmen dessen, was in den Köpfen vorgeht, liegt die Befreiung.

»Chaos im Kopf« — so lässt sich zusammenfassen — heißt nicht nur Unordnung und Destruktivität, sondern kann auch das Gegenteil bewirken, denn aus ihm entsteht Kreativität. Oder um es mit dem Appell der jungen Tänzerinnen auszudrücken: »Habt keine Angst vor dem Chaos, lasst es in kreative Projekte fließen, denn Kunst ist der bessere Kick«!

Ksenia Porechina
Büro für Suchtprävention

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