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Jedes KUNSTRAUSCH®-Jahresmotto beabsichtigt, einen bestimmten Aspekt der Lebenswelt der Jungendlichen ans Licht zu bringen und eine Auseinandersetzung anzuregen. Dafür werden auf den Vorbereitungstreffen thematische Inputs gegeben und Methoden vorgestellt, wie künstlerisch gearbeitet werden kann.

Im fünften KUNSTRAUSCH® ging es um die Reflektion von zentralen Themen der Suchtprävention wie Empathie und Selbst/Fremdwahrnehmung. Jedes Motto eröffnet Spielräume für Interpretation. So bezeugen die KUNSTRAUSCH®-Projekte 2008, die unter dem Motto »Crossover — Wenn ich Du wäre« entstanden sind, eine bunte Vielfalt an Themen.

Mit einem Seufzen ausgesprochen, versteht sich der Ausdruck »Wenn ich du wäre« als eine Äußerung unrealisierbarer Wünsche. So ging es in einigen KUNSTRAUSCH®-Projekten um Realität und Träumen, wie z.B. im »Lauch« des Jugendvereins Dringsheide oder im Film »100%« vom Juca Nord, in dem drei Teenager ihr ganzes Geld im Kartenspiel einsetzen, um Größenwahn-Phantasien zu verwirklichen.

»Wenn ich du wäre« — ist auch ein Aufruf, sich auf Reflektieren einzulassen und vom risikoreichen Handeln Abstand zu nehmen. Mit klaren Botschaften versehen, sprechen die Werke der Jugendlichen klare Worte. »Wenn ich du wäre, würde ich überlegen, eher ich ein Auto bekifft fahre« lautet es im ironischen Film »THC meets MPU«. Jungen Rappern aus dem aus dem COME IN! liest man »Wenn ich du wäre, würde ich meine Fehler nicht wiederholen« von den Lippen ab.

»Wenn ich du wäre« ist auch ein Versuch der Jugendlichen zu verstehen, was in einem Menschen gerade vorgeht. Im Film »Heimliche Liebe« überlegten die Teilnehmerinnen von IN VIA, was ein Mädchen fühlt, wenn sie sich in ein anderes Mädchen verliebt und wie deren Umgebung auf diese Gefühle reagiert. Weitere Themen waren Klischees der Begegnungen zwischen Jungen und Mädchen. Werte wie Zusammenhalt und Freundschaft wurden in Musik-Videos wie »Sag Bescheid« (Gymnasium Allee) und »Hope and Friends« (Gesamtschule Horn)behandelt.

Nicht nur allerlei Themen wirrten in den Köpfen jünger Künstler herum, in der Umsetzung entschieden sie sich für vielfältige Ausdrucksweisen und bedienten sich verschiedener Medien. Wie bei den anderen »Kunsträuschen« schien das Medium Video das populärste zu sein. Warum es so beliebt ist, liegt auf der Hand. Videofilme bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, sich darzustellen, sich zu inszenieren oder eine risikoreiche Situation durchzuspielen, ohne die Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Vertrautheit der Jugendlichen mit dem bewegten Bild spielt eine Rolle. Video erlaubt im Unterschied zum Theater eine andere Distanz zu der gespielten Rolle. Bei der Film-Vorführung bleibt den Schauspielern immer die Option, sich gelassen und »cool« zu geben. Und die mehrmalige Wiedergabefähigkeit des Films ist ein weiterer Vorteil; nicht selten, so berichteten die Betreuer, laufen die KUNSTRAUSCH®-Filme in Schleife in ihren Häusern und werden mit Stolz neuen Besuchern vorgeführt.

Die wenigen Musik-Auftritte zeigen bei KUNSTRAUSCH®-Veranstaltungen immer große Wirkung. Hip-Hop bleibt eine der beliebtesten Musik-Genres seit Jahren. 2008 waren es die Rapper der Hip-Hop Academy und aus dem COME IN!, die auf der Bühne des Bambi-Galore mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen wurden. Dies liegt nicht zuletzt an der immer wieder beeindruckenden Authentizität, dem Mut und der Präsenz der Jugendlichen, die mit Musik-Auftritten auf die Bühne gehen.

Um »Crossover« kam auch die Livebühne nicht herum — das Trockendock stellte ein Projekt vor, in dem eine Verschmelzung von Rock-Gitarre, Schlagzeug und Rap stattgefunden hat.

Noch mehr Courage erfordern Theater-Auftritte, da sie am wenigsten Distanz zum Zuschauer erlauben. Kein Wunder, dass Theater ein seltener Gast auf der KUNSTRAUSCH®-Bühne ist. Dies ist nicht nur das Problem des Formats — ein einstündiges Stück wurde die Rahmen der ohnehin langen Abschlussveranstaltungen sprengen, es scheint auch oft die Frage der »Coolness« zu sein. Das Theaterspielen braucht einen gewissen Mut, um dem Publikum Gefühle der Liebe, Enttäuschung und Eifersucht nahe zu bringen. Umso mehr werden diejenigen respektiert, die so etwas wagen, wie es dieses Jahr die Jugendlichen des Jugendmigrationswerkes zeigten. Sie waren tapfer genug, um als einzige Theater vorzuführen - und einen lachenden Jungen aus der ersten Reihe zurechtzuweisen: »Das ist Liebe. Was ist denn daran so lustig?«. Dafür wird diese Art der Offenheit mit Applaus besonders gewürdigt.

Je weniger populär das Medium ist, desto weniger scheint es Anziehungskraft auf die Jugendlichen auszuüben. Die Hürde, die Teilnehmer zum künstlerischen Gestalten zu animieren, scheint in letzter Zeit größer zu werden. Sobald allerdings ein Kunstprojekt anfängt, machen die jungen Menschen beim Basteln, Malen und Drucken lustvoll mit. So sind beim KUNSTRAUSCH® 2008 tolle Kunstobjekte entstanden: Bunte Druckbilder des HDJs Billstedt, auf denen Jugendliche sich mitsamt ihrer Ideale und Idole vorstellen und die Collagen der Mädchen des Timo-Jugendklubs, in dem sie spielerisch mit ihrem Image umgehen. Der Eingangsbereich zeigte Ergebnisse des Graffiti Wettbewerbs der mobS-Nord »auf die Wand gebracht«, Collagen und Fotos weiterer suchtpräventiver Aktivitäten ergänzten die Ausstellung, wie das alkoholfreie Konzert der Strasos oder ein Überlebens-Ausflug der Horner Geester.

Immer wieder überzeugen die Kunstrausch-Abschlussveranstaltungen auch dadurch, wie viel Anerkennung und Aufmerksamkeit die Jungendlichen durch die Präsentationen ihrer Werke bekommen. Es bleibt zu wünschen, dass weitere Einrichtungen der KUNSTRAUSCH®-Organisation beitreten und den jungen Menschen die Möglichkeit bieten, den Kunst-Kick zu erleben. Weitere Infos, Live-Mitschnitte und Ergebnisse finden Sie auf den anderen Seiten.

Bilder vom Event...

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